Khaled Hosseini: Drachenläufer

TRAURIG UND SCHÖN ZUGLEICH

Ich habe das Buch in einem Rutsch in zwei Tagen durchgelesen und konnte es nicht aus der Hand legen - das sagt eigentlich alles ... Das Buch ist schon recht "alt" und die jetzt neue aufkommende Popularität der im Januar erschienenen Verfilmung geschuldet - zu Glück ist dies hier aber nicht "Das Buch zum Film" sondern äußerst lesenswert, ich frage mich nur warum es immer eines Filmes bedarf um lesenswerte Bücher bekannt zu machen ...

Walther Moers: Der Schrecksenmeister

SCHRECKSIG GUT

Seit der Lektüre von "Die 13 1/2 Leben des Captain Blaubär" komme ich an den Büchern von Herrn Moers nicht mehr vorbei. Der Erfindungsreichtum in diesem Buch ist wieder einmal erfrischend anders und einfach nur fantastisch im wahrsten Sinne des Wortes - wobei das erste obengenannte Exemplar der Bücher über Zamonien ungeschlagen bleibt.
Wir befinden uns in "Sledwaya, einem der faszinierendsten Schauplätze Zamoniens, wo das Gesunde krank, das Richtige verkehrt und das Falsche richtig ist, und wo der Schrecksenmeister nicht nur für das schlechte Wetter verantwortlich zeichnet. Echo, das Krätzchen - eine zamonische Kratze unterscheidet sich übrigens von unserer Katze lediglich dadurch, daß sie sprechen kann - ist dermaßen in Schwierigkeiten geraten, daß er gezwungen ist, mit dem Schrecksenmeister Succubius Eißpin einen verhängnisvollen Vertrag zu schließen. Dieser gibt dem Schrecksenmeister Sledwayas das Recht, die Kratze beim nächsten Vollmond zu töten und ihr das Fett auszukochen. Als Gegenleistung muß Eißpin Echo dreißig Tage lang auf höchstem kulinarischen Niveau durchfüttern."
Insgesamt doch vorhersehbar wenn man die anderen Bücher kennt und nicht ganz so strotzend vor Ideen, aber immer noch für einen Schmökerabend gut.

Dai Sijie: Balzac und die kleine chinesische Schneiderin/Muo und der Pirol im Käfig

CHINESISCHE WAHRHEITEN

Hinter der Fassade des "roten Riesen" mit dem Heile-Welt-Schein kämpfen der Einzelne mit der ihm zugedachten/aufgezwungen Schicksal: Zwei Jungen, Teenager, versuchen in einem abgelegenen Bergdorf ihre an Dauer ungewisse "Umerziehung" zu überstehen. Hilfreich dabei ist die Chance auf "richtige" aber verbotene Literatur die sie bei einem anderen Umerzeihungsopfer im Nachbardorf vermuten. Hilfreich ist auch die kleine Schneiderin in der Kreisstadt, die sie auch mit der dann später ergatterten Literatur zu locken versuchen ... das gelingt ihnen, aber mit einem anderen Ergebnis als erhofft.


Er hat in Frankreich Psychoanalyse studiert - jetzt kehrt er in sein Heimatland zurück mit dem Ziel seine alte Liebe irgendwie aus dem Gefängnis zu befreien. Das Unterfangen ist nicht nur schwierig wegen des etwas eigentümlichen Charakters und Berufes des Protagonisten, sondern auch wegen seiner kindlichen Naivität und den Schwierigkeiten sich in seiner alten Heimat zurechtzufinden - eine fremde Welt mit anderen Regeln. Nicht gerade gute Voraussetzungen für ein Gelingen seines Unterfangens ...

Moderne Don-Quichotte-Geschichten mit Helden die zum Scheitern verurteilt sind aber trotzdem noch hoffen, und man hofft insgeheim mit und leidet - bittere Zeugnisse eines Volkes mit beeindruckenden kulturellen Zeignissen der Vergangenheit und erschreckenden Perspektiven für die Zukunft.

Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt

AMÜSANTE GESCHICHTSSTUNDE

Eine recht unterhaltsame Geschichte über das Leben von Alexander von Humboldt und Friedrich Gauß, die sich teilweise kreuzen. Das ist manchmal verwirrend weil man am Anfang eines neuen Kapitels nicht immer gleich weiß, über wen es handelt ... Die aufschlußreichen Stellen für mich waren die Schilderungen über die Tücken und Hürden des alltäglichen Lebens zu damaligen Zeit, gerade als Forscher oder Mathematiker, Professionen, die weder gut bezahlt noch besonders ruhmbringend waren. Vielleicht kann man sogar sagen, dass Gauß und Humbold gegensätzlich waren - vom Charakter und Lebensstil, und dass das Buch auf diesen Gegensatz baut - auch wenn es manchmal sogar schon etwas zu konstruiert wirkt. Insgesamt ein kurzweiliges Lesevergnügen für das nicht viel Ausdauer und Durchhaltevermögen benötigt wird.