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Jens Bjørneboe: Jonas/Den onde hyrde/Drømmen og hjulet

KRITISCH GESEHEN


Jonas/Den onde hyrde/Drømmen og hjuletDieses Buch war meine letzte "Ausbeute" aus dem Norwegen-Urlaub im September. Den Autor hatte mir mein Norwegisch-Lehrer empfohlen, und von ihm hatte ich auch zuvor schon "Haiene" gelesen. Seine Biographie erklärt vielleicht ein wenig die Wahl der Themen seiner Romane. Die Erzählweise ist nicht so sehr auf eine Hauptperson konzentriert, sondern eher eine Sammlung auch der Geschichten der Personen, denen die Hauptperson begegnet. Ohne Wertung schildern sie, warum das Leben diese oder jene Wendung genommen hat - nicht ohne hintergründig Mißstände in der Gesellschaft aufzuzeigen. Es gibt viele Parallelen zu Bjørneboes Leben, und vielleicht liest es sich leichter und mit mehr Geduld, wenn man vorher sein Leben und seine Motive kennt.


Leider habe ich online keins der in dem Sammelband enthaltenen Bücher gefunden, und so gibt es nur einen kurzen Abriss von mir zum Inhalt:


Jonas - Ein Junge mit Legasthenie rutscht durch das Schulsystem, und soll am Ende auf die Hilfsschule - zum Glück findet sich eine Alternative, aber auf Umwegen. Ein Angriff auf das Schulsystem.


Den onde hyrde (Der schlechte Hirte) - Tonnie hat fast sein ganzes Leben in Erzeihungsheimen und im Gefängnis verbracht. Als er freigelassen wird, schwört er sich dass für ihn ein 'normales' Leben beginnen soll. Doch hat er keine Chance mehr auf Normalität, und so endet alles wie es kommen muß ... Ein Angriff auf das Gefängniswesen und Strafsystem.


Drømmen og hjulet (Der Traum und das Rad) - Die Autobiographie der norwegischen Schriftstellerin Ragnhild Jølsen, welche ebenfalls kontroverse Literatur verfasste und sich mit 33 Jahren das Leben nahm.


Stemningen i boken er trist og grått og minnes litt om Kafka. Ting han forteller er egentlig ting man vil ikke snakke eller høre om. Hovedpersoner er alltid hjelpeløs og utlevert til omstendigheter de kan ikke forandre. Det gjorde meg sint, og kanskje det var følelsen i Bjørneboe hele tiden som han også skrev ned i bokene sine.


My review on goodreads (English)

Frank Herbert: Dune - Der Wüstenplanet

...LEKTÜRE


Zu diesem literarischen Werk nur soviel - nachdem vor einigen Jahren einer neuere Verfilmung auf einem bekannten deutschen Privatsender lief und mein Freund steif und fest behauptete das Buch wäre vieeeeel besser, habe ich (aber nur kurz) darüber nachgedacht es einmal zu lesen. Ich mag kein Science-Fiction (außer Star Trek: The next Generation was ich mir aber im Fernsehen angeschaut habe). Nun lag besagtes Buch kürzlich neben dem stillen Örtchen (wo bei uns immer diverse Bücher oder Zeitschriften liegen) und ich habe aus Mangel an anderer Lektüre mal zugegriffen. Ich gebe zu es war fesselnder als ich anfangs geglaubt hatte und ich habe es bis zum Schluß gelesen. Den Kult den manche darum machen kann ich aber trotzdem nicht verstehen - und damit ist dieses Kapitel auch beendet ...

Mark Haddon: The Curious Incident of the Dog in the Night-time

INTO ANOTHER WORLD AND HEAD


Dieses Buch habe ich in der etwas größeren englischsprachigen Abteilung bei Hugendubel in Leipzig liegen sehen und mich vage erinnert, dass es in meinem 1001 Bücher-Buch aufgeführt war. Na endlich, habe ich dann gedacht, endlich mal ein Buch in Originalsprache, also nichts wie her damit! Das Buch war sein Geld auch wirklich wert, die Hauptperson ist ein 15jähriger Junge mit Asperger-Syndrom, einer "milden" Form des Autismus. Sehr glaubhaft wird beschrieben wie er seine Umwelt und seine Mitmenschen erlebt und wie er versucht den Mörder des Pudels seiner Nachbarin zu finden. Dass er dadurch noch viel mehr erfährt und für ihn noch viel verwirrendere Dinge, die sein bisheriges Leben auf den Kopf stellen, stellt sich erst später heraus ...

Mein Fazit: Absolut lesenswert! Und wer sich danach für das Thema Autismus interessiert sollte einmal in "Oliver Sacks: Eine Anthropologin auf dem Mars" blättern, vielleicht nicht ganz so leichte Kost, aber genauso interessant.


dt. Ausgabe: Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone

Toril Brekke: Brostein

VERGANGENES LEBENDIG GEMACHT


Eigentlich lese ich nicht gerne historische Romane. Ein paar haben es in mein Regal geschafft, aber sind eher die Ausnahme. So lange sie lebendig geschrieben sind und ich irgendeinen Bezugspunkt zur Geschichte habe, bleibe ich aber dabei - wie auch in diesem Buch.

"Mit Liebe hat es wenig zu tun, als Sara den armen Jacob Mortensen heiratet und mit ihm nach Trondheim zieht. Die ersten Jahre sind hart: Schon bald ist ein Kind im Haus, und Jacobs Krämerladen wirft kaum genug zum Leben ab. Erst als Sara im Geschäft beherzt die Zügel in die Hand nimmt, geht es aufwärts.
Wenige Jahre später ist aus Jacob ein wohlhabender Kaufmann geworden. Dennoch ist Sara nicht wirklich glücklich. Saras ganze Hoffnung richtet sich auf ihre Tochter Sanne, an die sie ihren Traum von einem selbstbestimmten Leben weitergegeben hat. "

Besonders gefallen haben mir die Schilderungen des alltäglichen Lebens im Trondheim der letzten Jahrhundertwende - man meint das Geklapper der Pferdehufe hören zu können und die fischige Luft auf dem Wochenmarkt zu riechen. Ein sehr kurzweiliges Buch mit eingestreuten Informationen über die Wirtschaft, Politik und Kultur dieser Zeit, vielleicht eher ein Buch für Frauen, aber dennoch lesenswert.



(dt. Titel: "Die Frauen vom Fjord", Droemer Knaur Verlag)

Johan Harstad: Buzz Aldrin, hvor ble av deg i alt mylderet?

ALTERNATIV IN JEDER HINSICHT


Es ist die kuriose, verspielte und poetische Geschichte eines schüchternen jungen Gärtners aus Stavanger: In dem Moment, als Buzz Aldrin am 11. Juli 1969 als zweiter Mann den Mond betritt, erblickt Mattias das Licht der Welt. Natürlich verbindet so etwas. Und wie Aldrin ist Mattias seither bei allem der zweite Mann gewesen, der unsichtbare Zweite hinter einem Ersten. Daran war für ihn nichts auszusetzen. Bis seine Freundin Helle ihm den Laufpaß gibt und Mattias auch noch seinen Job verliert. Mattias wird aus seiner Umlaufbahn gerissen, und das Leben schleudert ihn bis auf die Färöerinseln. Der Plan ist, eine Woche mit Jörns Band dortzubleiben. Doch auf den ­Färöerinseln sieht plötzlich alles ganz anders aus.


Es geht darum was passiert, wenn dein Alltagsleben plötzlich aus den Fugen gerät, ob man wirklich so leben kann "ohne gesehen zu werden" und was man von seinem Leben wirklich will und erwartet. Das Buch ist in jeder Hinsicht alternativ - mit den Färöerinseln ein ungewöhnlicher Schauplatz, mit der nach-psychiatrischen-Anstalt Wohngemeinschaft ungewöhliche Charaktere und insgesamt eine ungewöhnliche Handlung. Ich fand es aber zu keiner Zeit unglaubwürdig; und das ist die eigentliche große Leistung, die es als außergewöhnlich gutes Buch qualifiziert.


(dt. Ausgabe: Buzz Aldrin wo warst du in all dem Durcheinander, Piper Verlag)

José Saramago: Die Stadt der Sehenden

POLITISCHES DOMINO

Bei einer politischen Wahl erhalten die Politiker eines namenlosen westlichen Landes eine schallende Ohrfeige: Fast alle abgegebenen Stimmzettel sind weiß! Entrüstet schlagen sie mit aller Kraft zurück: Der Ausnahmezustand wird verhängt, eine Mauer um die Stadt gezogen und schließlich jegliche behördliche Gewalt aus der Stadt abgezogen. Doch die Menschen arrangieren sich damit hervorragend und leben friedlich wie bisher. Die missachtete Staatsmacht muss also zu drastischeren Maßnahmen greifen.


In keiner Weise hatte ich eine Fortsetzung von "Die Stadt der Blinden" erhofft und erwartet. Die Idee ist aber ähnlich brilliant und absurd/hypothetisch: Was passiert wenn sich die Bürger einer Stadt entscheiden, "weiß" zu wählen? Zu welchen Maßnahmen wird der Staat greifen um seine Macht und Integrität zu sichern? Die Handlung in diesem Buch ist erschreckend und doch nah an die Wahrheit angelehnt zugleich, so dass mir schon kalte Schauer den Rücken hinunterliefen. Es ist die Kunst eines Saramago, das Unvermittelbare mit Worten zum Greifen nah zu bringen und eine unbeschreibliche Stimmung zu schaffen - das gelingt ihm mit diesem Buch für meinen Geschmack nicht so ausgezeichnet wie mit anderen, aber immer noch gut genug.

Anne B. Ragde: Berlinerpoplene

NORWEGISCHE MOMENTE


Da Anna Neshov får hjerneslag og blir liggende for døden samles familien for første gang på mange år. Følelser man trodde var begravd og borte for lengst blusser opp igjen og nye følelser dukker opp når mørke hemmeligheter blir avslørt. Dette er den første boka om familien Neshov.Da Anna Neshov får hjerneslag og blir liggende for døden samles familien for første gang på mange år. Følelser man trodde var begravd og borte for lengst blusser opp igjen og nye følelser dukker opp når mørke hemmeligheter blir avslørt. Dette er den første boka om familien Neshov.


Der Hintergrund des Erfolges diese Buches ist recht einfach aber doch überraschend - am lokalen Theater in Trondheim spielte man ein Stück zu dem man das Buch als Vorlage benutzte. Dieses war so erfolgreich dass es immer eine große Nachfrage gab und es regelmäßig auf dem Spielplan stand - ein echter Kassenschlager. Das norwegische Fernsehen machte eine ganze Serie daraus, und die Popularität kannte keine Grenzen mehr.


So ist das Leben in Norwegen - allgegenwärtige Kontraste zwischen Tradition und Moderne, den althergebrachten Lebensweisen der älteren und den "alternativen" der jüngeren Generation, versteckte Konflikte und Geheimnisse in der Familie, das Miteinander und doch Nebeneinanderleben, und doch Familienbande die alles zusammenhalten. Eine gelungene Geschichte über die "durchschnittliche" Familie, die sich als doch nicht so durchschnittlich entpuppt. Der Schauplatz trägt ein übriges zur Stimmung bei - natürlich fühle ich mich beim Stichwort Trondheim sofort zu Hause. Teilweise makaber aber doch nüchtern wird man in den Sog der Ereignisse gerissen und findet sich bald mit der (bestätigten) Erkenntnis wieder, dass hinter wortkargen wettererprobten Seelen doch mehr steckt als nur der weiche Kern - stille Wasser sind nun mal bekanntlich tief und schmutzig ...


(dt. Ausgabe: "Das Lügenhaus" )

Muriel Barbery: Die Eleganz des Igels

FÜR FRANKOPHILE


Eigentlich war dieses Buch nicht für mich bestimmt - bei einem meiner Ausflüge in den Buchladen hatte ich mir ein anderes gegriffen und wollte meinen Göttergatten ebenfalls zu Lesen animieren, indem ich ihn aufforderte sich doch ebenfalls ein Buch auszusuchen und er sich dieses herauspickte. Die Beschreibung las sich ganz interessant, so dass ich mir auch dieses Buch "einverleibte".


Ein zarte philosophische Geschichte mit vielleicht etwas seltsamen aber liebenswürdigen Charakteren die sich durch ihre ignorante Umwelt bewegen und doch in ihrem eigenen Universum zu Hause sind ... Zugegeben, manche Gedankengänge und Verweise auf die großen Philosophen waren mir etwas zu dick aufgetragen und rochen nach zur Schau gestellter Universitätsschläue. Mit der Liebe zu schrulligen Details der Hauptpersonen, makaber anmutender Komik und kleinen Stichen auf die wohlhabenden Schichten sowie die französische Eßkultur wurde dieses kleine Manko aber wieder wettgemacht. Insgesamt eine gelungene Komposition welches etwas anderes Lesevergnügen bereitet.
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Haruki Murakami: Kafka am Strand

SCHWERMÜTIGE TRAUMWELTEN


Ein hochgelobtes Buch ist es, und deswegen wollte ich es lesen - ganz abgesehen davon, dass der Titel neugierig macht. Meine erste Geschichte von Kafka hab ich mit vierzehn gelesen - "Die Verwandlung" macht nicht gerade Lust auf mehr bei pubertierenden Teens, aber ich mochte Kafka doch sehr, vielleicht doch in Einklang mit meiner melancholischen Ader. So dachte ich mir, vielleicht ist dieses Buch eine kafkaeske Erzählung die in Japan spielt, und für meine Begriffe traf das auch den Punkt.


-"Als mein fünfzehnter Geburtstag gekommen war, ging ich von zu Hause Kafka am Strandfort, um in einer fernen, fremden Stadt in einem Winkel einer kleinen Bibliothek zu leben. Wenn ich alles der Reihe nach erzähle, brauche ich dafür wahrscheinlich eine Woche. Wenn ich stattdessen zunächst nur die wichtigen Punkte aufführe, dauert es ungefähr genauso lange. Das klingt vielleicht wie der Beginn eines Märchens. Aber es ist kein Märchen. In keinem Sinne." Der Erzähler dieser Zeilen heißt Kafka Tamura und seine Reise führt in Wirklichkeit aus der realen Welt hinaus in sein eigenes Inneres, entlang an den Ufern des Bewusstseins. Eine schicksalhafte Prophezeiung, der Geschichte von Ödipus gleich, lenkt Kafkas labyrinthischen Weg. "Kafka am Strand" heißt das Bild an der Wand von Saeki, der rätselhaften Leiterin jener kleinen Bibliothek. Und "Kafka am Strand" heißt auch der Song aus der Zeit, als Saeki noch Pianistin war und einen jungen Mann leidenschaftlich liebte, sie waren ein Paar wie Romeo und Julia. Die Wege des Erzählers Kafka kreuzen sich auf geheimnisvolle Weise mit den ihren und denen eines alten Mannes, der die Sprache der Katzen versteht und Spuren folgt, die in eine andere Welt weisen.-


Wer ein Freund klarer roter Fäden ist, wird an diesem Buch nicht wirklich Freude finden - selbst ich fand es manchmal so verwirrend dass ich es am liebsten aus der Hand gelegt hätte. Es gibt keine schlüssiges Ende, ich fühlte mich eher als hätte ich die ganze Zeit halbwach vor mich hingedämmert und absurde Träume gehabt als ich fertig war - aber das war sicher der Sinn und Zweck, schließlich gibt es genug "wache" Bücher.

Khaled Hosseini: Drachenläufer

TRAURIG UND SCHÖN ZUGLEICH

Ich habe das Buch in einem Rutsch in zwei Tagen durchgelesen und konnte es nicht aus der Hand legen - das sagt eigentlich alles ... Das Buch ist schon recht "alt" und die jetzt neue aufkommende Popularität der im Januar erschienenen Verfilmung geschuldet - zu Glück ist dies hier aber nicht "Das Buch zum Film" sondern äußerst lesenswert, ich frage mich nur warum es immer eines Filmes bedarf um lesenswerte Bücher bekannt zu machen ...

Walther Moers: Der Schrecksenmeister

SCHRECKSIG GUT

Seit der Lektüre von "Die 13 1/2 Leben des Captain Blaubär" komme ich an den Büchern von Herrn Moers nicht mehr vorbei. Der Erfindungsreichtum in diesem Buch ist wieder einmal erfrischend anders und einfach nur fantastisch im wahrsten Sinne des Wortes - wobei das erste obengenannte Exemplar der Bücher über Zamonien ungeschlagen bleibt.
Wir befinden uns in "Sledwaya, einem der faszinierendsten Schauplätze Zamoniens, wo das Gesunde krank, das Richtige verkehrt und das Falsche richtig ist, und wo der Schrecksenmeister nicht nur für das schlechte Wetter verantwortlich zeichnet. Echo, das Krätzchen - eine zamonische Kratze unterscheidet sich übrigens von unserer Katze lediglich dadurch, daß sie sprechen kann - ist dermaßen in Schwierigkeiten geraten, daß er gezwungen ist, mit dem Schrecksenmeister Succubius Eißpin einen verhängnisvollen Vertrag zu schließen. Dieser gibt dem Schrecksenmeister Sledwayas das Recht, die Kratze beim nächsten Vollmond zu töten und ihr das Fett auszukochen. Als Gegenleistung muß Eißpin Echo dreißig Tage lang auf höchstem kulinarischen Niveau durchfüttern."
Insgesamt doch vorhersehbar wenn man die anderen Bücher kennt und nicht ganz so strotzend vor Ideen, aber immer noch für einen Schmökerabend gut.

Dai Sijie: Balzac und die kleine chinesische Schneiderin/Muo und der Pirol im Käfig

CHINESISCHE WAHRHEITEN

Hinter der Fassade des "roten Riesen" mit dem Heile-Welt-Schein kämpfen der Einzelne mit der ihm zugedachten/aufgezwungen Schicksal: Zwei Jungen, Teenager, versuchen in einem abgelegenen Bergdorf ihre an Dauer ungewisse "Umerziehung" zu überstehen. Hilfreich dabei ist die Chance auf "richtige" aber verbotene Literatur die sie bei einem anderen Umerzeihungsopfer im Nachbardorf vermuten. Hilfreich ist auch die kleine Schneiderin in der Kreisstadt, die sie auch mit der dann später ergatterten Literatur zu locken versuchen ... das gelingt ihnen, aber mit einem anderen Ergebnis als erhofft.


Er hat in Frankreich Psychoanalyse studiert - jetzt kehrt er in sein Heimatland zurück mit dem Ziel seine alte Liebe irgendwie aus dem Gefängnis zu befreien. Das Unterfangen ist nicht nur schwierig wegen des etwas eigentümlichen Charakters und Berufes des Protagonisten, sondern auch wegen seiner kindlichen Naivität und den Schwierigkeiten sich in seiner alten Heimat zurechtzufinden - eine fremde Welt mit anderen Regeln. Nicht gerade gute Voraussetzungen für ein Gelingen seines Unterfangens ...

Moderne Don-Quichotte-Geschichten mit Helden die zum Scheitern verurteilt sind aber trotzdem noch hoffen, und man hofft insgeheim mit und leidet - bittere Zeugnisse eines Volkes mit beeindruckenden kulturellen Zeignissen der Vergangenheit und erschreckenden Perspektiven für die Zukunft.

Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt

AMÜSANTE GESCHICHTSSTUNDE

Eine recht unterhaltsame Geschichte über das Leben von Alexander von Humboldt und Friedrich Gauß, die sich teilweise kreuzen. Das ist manchmal verwirrend weil man am Anfang eines neuen Kapitels nicht immer gleich weiß, über wen es handelt ... Die aufschlußreichen Stellen für mich waren die Schilderungen über die Tücken und Hürden des alltäglichen Lebens zu damaligen Zeit, gerade als Forscher oder Mathematiker, Professionen, die weder gut bezahlt noch besonders ruhmbringend waren. Vielleicht kann man sogar sagen, dass Gauß und Humbold gegensätzlich waren - vom Charakter und Lebensstil, und dass das Buch auf diesen Gegensatz baut - auch wenn es manchmal sogar schon etwas zu konstruiert wirkt. Insgesamt ein kurzweiliges Lesevergnügen für das nicht viel Ausdauer und Durchhaltevermögen benötigt wird.

Orhan Pamuk: Schnee

HEIßES EISEN

In diesem Buch packt Pamuk wieder ein heikles Thema an - den Islamismus. Der Dichter Ka der seit Jahren im deutschen Exil lebt kehrt nach Istanbul zurück. Von dort aus wird er im Dienst einer Zeitung nach Kars, einer Grenzstadt im Niemandsland zu Armenien und Rußland geschickt um eine Selbstmordserie junger Mädchen zu recherchieren. Von Anfang an werden seine Schritte überwacht und als der Schnee die Stadt einschließt und ein Putsch ausbricht, wird er endgültig zu einer Spielfigur zwischen extremistischen Glaubensanhängern, Reformern und Traditionalisten. Er selbst ist innerlich im Kampf mit seinem Glauben und Gefühlen, die er glaubt mit Hilfe der Struktur der Schneeflocke und den Gedichten, die ihm plötzlich wieder einfallen, lösen zu können.

Auch ein sehr verwirrendes Buch für mich; und manchmal konnte und wollte ich den verwirrenden Diskussionen um Religion und Glaube nicht mehr folgen. Ein typischer Pamuk - sehr gehaltvoll und schwer verdaulich aber deswegen nicht weniger lesenswert.

Leonie Swann: Glennkill. Ein Schafskrimi

EXTREM SCHAFGlennkill


Klappentext: Leblos liegt der Schäfer George Glenn im irischen Gras, ein Spaten ragt aus seiner Brust. Seine Schafe sind entsetzt: Wer kann den alten Schäfer umgebracht haben? Und warum? Miss Maple, das klügste Schaf der Herde, beginnt sich für den Fall zu interessieren. Glücklicherweise hat George seinen Schafen vorgelesen, und so trifft sie das kriminalistische Problem nicht ganz unvorbereitet. Unerbittlich folgen sie der Spur des Täters und kommen den Geheimnissen der Menschenwelt dabei nach und nach auf die Schliche - bis es ihnen schließlich gelingt, Licht ins Dunkel zu bringen und den rätselhaften Tod ihres Schäfers aufzuklären.


Das Buch habe ich während einer fünfstündigen Zugfahrt in einem Rutsch durchgelesen. Sehr unterhaltsam, besonders der Blick der Schafe auf die Welt - so wird der Pfarrer schonmal zu Gott und der Friedhof ein Garten wo "Menschen angebaut werden". Manche Nebenhandlungen sind zwar nicht sehr schlüssig, aber das trübt das positive Gesamtbild nur wenig.

Arto Paasilinna: Das Jahr des Hasen

Das Jahr des Hasen.TYPISCH PAASILINNA


Eine kurzweilige Geschichte über einen Mann, der einen Hasen anfährt, sich dessen annimmt und im damit sein Leben völlig auf den Kopf stellt - von einem gelangweilten Redakteur zum (fast) allein lebenden Naturburschen. Nicht umsonst steht dieses Buch in 1001 Bücher die sie lesen sollten, bevor das Leben vorbei ist .