POLITISCHES DOMINO
Bei einer politischen Wahl erhalten die Politiker eines namenlosen westlichen Landes eine schallende Ohrfeige: Fast alle abgegebenen Stimmzettel sind weiß! Entrüstet schlagen sie mit aller Kraft zurück: Der Ausnahmezustand wird verhängt, eine Mauer um die Stadt gezogen und schließlich jegliche behördliche Gewalt aus der Stadt abgezogen. Doch die Menschen arrangieren sich damit hervorragend und leben friedlich wie bisher. Die missachtete Staatsmacht muss also zu drastischeren Maßnahmen greifen.
In keiner Weise hatte ich eine Fortsetzung von "Die Stadt der Blinden" erhofft und erwartet. Die Idee ist aber ähnlich brilliant und absurd/hypothetisch: Was passiert wenn sich die Bürger einer Stadt entscheiden, "weiß" zu wählen? Zu welchen Maßnahmen wird der Staat greifen um seine Macht und Integrität zu sichern? Die Handlung in diesem Buch ist erschreckend und doch nah an die Wahrheit angelehnt zugleich, so dass mir schon kalte Schauer den Rücken hinunterliefen. Es ist die Kunst eines Saramago, das Unvermittelbare mit Worten zum Greifen nah zu bringen und eine unbeschreibliche Stimmung zu schaffen - das gelingt ihm mit diesem Buch für meinen Geschmack nicht so ausgezeichnet wie mit anderen, aber immer noch gut genug.
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