SCHWERMÜTIGE TRAUMWELTEN
Ein hochgelobtes Buch ist es, und deswegen wollte ich es lesen - ganz abgesehen davon, dass der Titel neugierig macht. Meine erste Geschichte von Kafka hab ich mit vierzehn gelesen - "Die Verwandlung" macht nicht gerade Lust auf mehr bei pubertierenden Teens, aber ich mochte Kafka doch sehr, vielleicht doch in Einklang mit meiner melancholischen Ader. So dachte ich mir, vielleicht ist dieses Buch eine kafkaeske Erzählung die in Japan spielt, und für meine Begriffe traf das auch den Punkt.
-"Als mein fünfzehnter Geburtstag gekommen war, ging ich von zu Hause
fort, um in einer fernen, fremden Stadt in einem Winkel einer kleinen Bibliothek zu leben. Wenn ich alles der Reihe nach erzähle, brauche ich dafür wahrscheinlich eine Woche. Wenn ich stattdessen zunächst nur die wichtigen Punkte aufführe, dauert es ungefähr genauso lange. Das klingt vielleicht wie der Beginn eines Märchens. Aber es ist kein Märchen. In keinem Sinne." Der Erzähler dieser Zeilen heißt Kafka Tamura und seine Reise führt in Wirklichkeit aus der realen Welt hinaus in sein eigenes Inneres, entlang an den Ufern des Bewusstseins. Eine schicksalhafte Prophezeiung, der Geschichte von Ödipus gleich, lenkt Kafkas labyrinthischen Weg. "Kafka am Strand" heißt das Bild an der Wand von Saeki, der rätselhaften Leiterin jener kleinen Bibliothek. Und "Kafka am Strand" heißt auch der Song aus der Zeit, als Saeki noch Pianistin war und einen jungen Mann leidenschaftlich liebte, sie waren ein Paar wie Romeo und Julia. Die Wege des Erzählers Kafka kreuzen sich auf geheimnisvolle Weise mit den ihren und denen eines alten Mannes, der die Sprache der Katzen versteht und Spuren folgt, die in eine andere Welt weisen.-
Wer ein Freund klarer roter Fäden ist, wird an diesem Buch nicht wirklich Freude finden - selbst ich fand es manchmal so verwirrend dass ich es am liebsten aus der Hand gelegt hätte. Es gibt keine schlüssiges Ende, ich fühlte mich eher als hätte ich die ganze Zeit halbwach vor mich hingedämmert und absurde Träume gehabt als ich fertig war - aber das war sicher der Sinn und Zweck, schließlich gibt es genug "wache" Bücher.
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